Aktiv älter werden im Landkreis Freising

– 14 – Wissenswertes zum Thema Gesundheit Die unbestreitbaren Erfolge im Sommer 2020 bei der Ein- dämmung der Covid-19 Pandemie lassen die Rufe nach weiteren Lockerungen und nach der Wiederaufnahme des normalen öffentlichen und wirtschaftlichen Lebens lauter werden. Viele Menschen handeln so, als ob sie die Strafe für das Coronavirus mit den lockdown Tagen ab- gesessen hätten. Das ist nachvollziehbar und doch ein Trugschluss. Der explosionsartige Anstieg der Infizierten zeigt uns, dass wir die Erfolge im Kampf gegen Covid-19 nur auf- rechterhalten können, wenn jeder weiterhin indivi- duelle Verantwortung für das Ganze übernimmt. Die dringend erforderliche öffentliche Debatte über die ethi- schen Dimensionen der Pandemie leidet allerdings un- ter weitverbreiteten Halbwahrheiten und fragwürdigen Behauptungen. Einige populäre, aber falsche Thesen sollen hier widerlegt werden Mein Handeln als einzelner spielt keine Rolle. Wer wissentlich oder fahrlässig Ansteckungen ermöglicht, ist verantwortlich nicht nur für die unmittelbar Angesteck- ten, sondern auch für alle weiteren Glieder in der Anste- ckungskette. Die individuelle Verantwortung ist groß. Es können Ansteckungsketten den Weg in Gruppen oder Institutionen von schwächeren und älteren Menschen finden, zum Beispiel in Pflegeheimen und dort zu vielen Todesfällen führen. Die Verbreitung des Virus ist nicht direkt sichtbar, aber die möglichen Effekte jeder einzelnen Übertragung sind moralisch von größter Tragweite. Damit unterscheidet sich die ethische Situation in der Pandemie grundsätz- lich von anderen globalen Herausforderungen, wie bei- spielsweise dem Klimawandel. Jeder einzelne kann nur einen kleinen individuellen Bei- trag zum Schutz des Klimas leisten, aber jeder Einzel- ne kann mit seinen Handlungen in der Corona Epide- mie möglicherweise Menschenleben retten. Selten hatte jeder einzelne Bürger so große Verantwortung für das Wohl anderer. Das Argument jeder kann und muss sich selbst schüt- zen trifft nicht zu Viele Menschen stecken sich an, weil sie ihre Pflicht tun, nicht weil sie sich selbst unvorsichtig verhalten. Kranken- schwestern und Pfleger, Ärzte, Sanitäter, Lehrerinnen, Kindergärtner oder Kassiererinnen halten für unsere Ge- sellschaft wichtige Dienste aufrecht und können sich nur bedingt vor einer Ansteckung schützen. Jeder einzelne trägt mit Kontaktvermeidung und Hygiene zum Schutz dieser Berufsgruppen bei. Andere Menschen wiederum sind nicht in der Lage, sich selbst zu schützen. Wer zum Beispiel auf Pflege angewiesen ist, kann eine Ansteckung oft nicht durch eigenes Handeln verhindern. Außerdem ist das Virus so ansteckend, dass auch umsich- tiges Verhalten das Ansteckungsrisiko nur verringert, aber nicht eliminiert. Meine eigene Verantwortung bei der Bekämpfung des Coronavirus

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