Aktiv älter werden im Landkreis Freising

E s ist schon paradox: Ausgerechnet an einem der einst ärmsten Fle- cken im Kreis Freising steht eine Kir- che, die an reicher Ausstattung und Schönheit zu den bedeutendsten Gotteshäusern im weiten Umkreis zählt. Die Neufahrner waren bis in die 1920er Jahre steinreich, imwahrs- ten Sinn des Wortes. Der kiesige Bo- den auf der Schotterebene hat eine sehr geringe Bonität. Als der größte Reichtum eines Neufahrner Bauern galt bis zum Einsatz von Kunstdün- ger sein Misthaufen. Dennoch war Neufahrn im weiten Umkreis ein be- rühmter Ort. Die Kirche mit dem Patrozinum der Heiligen Wilgefortis oder Kümmer- nis war im 17. und 18. Jahrhundert alljährlich Ziel von 50 bis 60 Pilger- gruppen. Die Wallfahrer kamen zu Fuß aus demDachauer Land und aus der Hallertau, aber auch aus Mün- chen. Wilgefortis war die Heilige der Jungfrauen undMägde, sie wurde bei Frauenleiden angerufen. Ihr männli- ches Pendant war der Heilige Leon- hard, der Viehpatron, der in einer Friedhofskapelle neben der Kirche verehrt wurde. Heute ist diese frühere Kapelle das alte Mesnerhaus, das seit Jahren auf seine Sanierung wartet. Während des 30-jährigen Krieges pilgerte sogar der Freisinger Fürstbi- schof Veit Adam von Gepeckh drei- mal nach Neufahrn. Zwischen 1650 und 1660 wollte die bayerische Kur- fürstin Maria Anna im Briefwechsel mit dem Weihenstephaner Abt Gre- gor Marschall mehr über die Neu- fahrner Wallfahrt wissen. 1661 stif- tete sie 100 Dukaten für den neuen, prächtigen barocken Hochalter, des- senMitte das wundertätige Kreuz ist. Neufahrn entwickelte sich zur Haupt- kultstätte der Kümmernis-Verehrung im süddeutschen Raum. Erst die Sä- kularisation beendete Anfang des 19. Jahrhunderts die blühende Wall- fahrt. Bereits um 1500 soll es in Neu- fahrn zu Wundern gekommen sein. Sieben große gotische Bildtafeln aus dem Jahr 1527 in der Kirche erzäh- len die Geschichte des Kreuzes am Hochaltar: Das „pilt“ soll gegen die Strömung der Isar geschwommen sein, als es Holzfäller „in der Au bei Mintring“ entdeckten. Beim Versuch es zu bergen, schlug einer aus Ver- sehen mit der Axt auf einen Arm der Figur, darauf sei Blut aus der Wunde geflossen. Der Bischof wurde gerufen, der das Kreuz auf einen Halbwagen legte. Man spannte zwei Jungtiere davor, die noch nie unter dem Joch gegan- Einst eine berühmte Wallfahrtskirche: Sankt Wilgefortis in Neufahrn – 40 – Historische Orte im Landkreis Freising

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